im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage
in Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden
mit freundlicher Unterstützung des Kulturministeriums der Tschechischen Republik
in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Dauer: 1 Stunde und 30 Minuten. Keine Pause.
Mit FACKA gastiert erstmals das Dejvické divadlo bei den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen. Für viele Theaterbesucher*innen in Tschechien ist das Prager Ensemble weit mehr als nur ein Theater: Seit seiner Gründung hat es sich zu einer der erfolgreichsten und angesehensten Bühnen des Landes entwickelt. Die Vorstellungen sind regelmäßig innerhalb weniger Minuten ausverkauft, das Ensemble arbeitet seit über drei Jahrzehnten in nahezu unveränderter Besetzung zusammen. Viele seiner Mitglieder gehören zu den bekanntesten Schauspieler*innen Tschechiens und prägen mit ihrer Arbeit nicht nur die Theaterlandschaft, sondern auch Film und Fernsehen. Umso bemerkenswerter ist es, dass dieses Ausnahmeensemble nun erstmals in Dresden zu erleben ist.
Die Inszenierung FACKA basiert auf einem realen Ereignis. Eine Ohrfeige auf einem belebten Prager Platz löst eine Kette von Reaktionen aus, die das Leben zahlreicher Menschen berührt. Was zunächst eindeutig erscheint, wird mit jeder neuen Perspektive komplexer. Schuldige und Betroffene scheinen schnell festzustehen – doch nach und nach geraten Gewissheiten ins Wanken. Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und Lebenswelten treffen aufeinander, Vorurteile, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Mechanismen werden sichtbar. Aus dokumentarischer Recherche und präziser Beobachtung entsteht ein spannender Theaterabend über Wahrnehmung, Verantwortung und die Frage, wem wir glauben, wenn unterschiedliche Versionen derselben Geschichte aufeinandertreffen.
Regisseur Jirí Havelka zählt zu den prägenden Stimmen des zeitgenössischen tschechischen Theaters. Seine Arbeiten entstehen häufig kollektiv gemeinsam mit den Schauspieler*innen und verbinden dokumentarische Elemente mit Humor, gesellschaftlicher Analyse und großer menschlicher Genauigkeit. Dem Publikum der Tschechisch-Deutschen Kulturtage dürfte Havelka bereits vertraut sein: Mit VLASTNÍCI (DIE EIGENTÜMER), MIMORÁDNÁ UDÁLOST (AUSSERGEWÖHNLICHES EREIGNIS) und ZAHRADNÍKUV ROK (DAS JAHR DES GÄRTNERS) waren in den vergangenen Jahren alle bisherigen Kinofilme des Regisseurs im Festivalprogramm zu sehen. Darüber hinaus präsentierten die Kulturtage auch die Verfilmung seines Theaterstücks OCITÝ SVEDEK (DER AUGENZEUGE), die während der Corona-Pandemie entstand, als die Inszenierung am Prager Nationaltheater nicht vor Publikum gespielt werden konnte.
Mit FACKA bietet sich nun die seltene Gelegenheit, Jirí Havelkas Arbeit dort zu erleben, wo sie ihren Ursprung hat: auf der Bühne. Die Inszenierung verbindet packendes Schauspiel mit gesellschaftlicher Relevanz und stellt Fragen, die weit über den konkreten Fall hinausweisen. Was ist Tatsache, was Interpretation? Wie entstehen Urteile? Und wie verändert sich unser Blick auf die Wirklichkeit, wenn wir bereit sind, auch andere Perspektiven zuzulassen?