von Yesim Nela Keim Schaub, Lisa Pottstock
Da sah die Frau, dass der Baum gut zur Speise war, dass er begehrenswert war für die Augen und dass er klug machen könnte.
Zwei Frauen (gerne mit Altersunterschied), eine urteilende Instanz (z. B. Gott – ein sprechender Spiegel tut es auch), ein abgelegener Ort, wahlweise ein verbotener oder vergifteter Apfel. Fertig ist der Plot. Ein ganzer Kanon von Geschichten über neidische Frauen prägt unsere Erzählwelten. Beispiele gefällig?
Schneewittchens Stiefmutter ist so neidisch auf deren Schönheit, dass sie gleich mehrere Mordversuche unternimmt. Zur Strafe ereilt sie das Schicksal, das „bösen Frauen“ seit jeher zugedacht ist: Sie endet auf dem Scheiterhaufen. Auch im Paradies gibt es Zwietracht: Nach ihrem Rauswurf verwandelt sich Lilith, die erste Frau Adams, aus Rachsucht und Neid in eine giftige Schlange, um Eva ins Verderben zu stürzen – ganz nach dem Motto: „Wenn ich im Garten Eden nicht glücklich leben kann, dann soll das auch keine andere.“
Wovor warnen diese Erzählungen eigentlich? Vor der „neidischen Frau“ – oder vor einer Welt, die Frauen animiert, sich gegenseitig zu bekämpfen? Und erzählen sie wirklich die ganze Wahrheit? Oder könnte es nicht eigentlich ganz anders gewesen sein?
Yesim Nela Keim Schaub und Lisa Pottstock schreiben gemeinsam mit ihren Spielerinnen diese Geschichten um: Statt sich hinterrücks zu vergiften, zeigen sie ihre bösen Blicke und Neidfratzen, gehen lustvoll in die Konfrontation und suchen nach Auswegen aus der Endlosschleife der immergleichen Narrative.
An ausgewählten Terminen findet die Inszenierung im Rahmen des Theaterparcours 7 Todsünden statt.