Taking Back Sunday

Taking Back Sunday im Interview am 20.02.2017 im Gloria

Kölnticket: Du warst schon einige Male in Köln. Was magst du am meisten an der Stadt?

Adam Lazarra: Jedes Mal wenn ich die Stadt besuche, sehe ich eine andere Stelle. Anfangs haben wir meist im Luxor gespielt und hatten dann auch nicht so viel Zeit uns umzuschauen, also war mein einziger Eindruck von Köln die nähere Umgebung dieses Clubs, aber die letzten Male hatten wir mehr Zeit uns umzuschauen und es ist eine wirklich schöne Stadt, die natürlich mehr zu bieten hat als nur das Luxor. Es gibt hier viel zu entdecken.

Kölnticket: Ihr seid auf dieser Tour mit einem guten, alten Freund unterwegs: Frank Iero.

Adam Lazarra: Ja, es ist großartig. Auf dieser Tour sind wir auch nicht so viele Leute, also haben wir uns dazu entschieden einen Bus zu teilen. Das gibt uns natürlich die Möglichkeit mehr Zeit miteinander zu verbringen. Tagsüber haben wir auch mehr Freizeit als auf vorherigen Touren. Es macht viel Spaß mit ihm.

Kölnticket: Welche Band hat dich live umgehauen?

Adam Lazarra: Da wir ja selbst viel touren, haben wir leider nicht so viel Zeit uns Shows von anderen anzusehen. Als letztes habe ich unsere Labelkollegen Bayside gesehen, die waren toll. Band of Horses fand ich auch ganz großartig, aber ja… Ich war leider auf nicht so vielen Shows abgesehen von unseren eigenen.

Kölnticket: Viele Bands aus eurer Szene haben sich aufgelöst oder haben es schwer im Geschäft zu bleiben. Was ist euer Geheimnis?

Adam Lazarra: Ich habe keine Ahnung, ich glaube es ist einfach Glück. Außerdem wollten wir nie etwas anderes machen außer in dieser Band zu spielen – bei vielen scheitert es ja schon daran. Und wir sind so glücklich, dass wir damit auch noch Geld verdienen. Wenn wir gerade schlechte Zeiten durchleben, erinnern wir uns daran wie glücklich wir sind und das nicht jeder seinen Traum leben kann.

Kölnticket: Glückwunsch zu diesem gelungenen Album. Ist das dein Sohn auf dem Cover?

Adam Lazarra: Ja, einer meiner Jungs. Es ist lustig, wenn du dir hier diese lange Strähne anschaut – die wächst dreimal so schnell wie alles andere. Wir bringen es nicht übers Herz ihm diese Strähne abzuschneiden, sie ist so süß.

Kölnticket: Deine Söhne haben außerdem einen Gastauftritt im Video zu „Call Come Running“, richtig?

Adam Lazarra: Ja, das stimmt. Mein Vater spielt auch mit, der ältere Herr, der mir zu Hilfe kommt. Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob er im Video sein möchte. Er hat sofort ja gesagt und war sehr aufgeregt. Ich habe ihm aber nicht erzählt, dass ich das halbe Video in Blut getränkt rumlaufe, also warf er mir einen Blick zu im Sinne von „Was machst du wieder für Sachen?“ – aber er fand es schön dabei zu sein und ich war glücklich, dass er ja gesagt hat. Aber es war seltsam zu „schauspielern“ mit dem eigenen Vater… Obwohl er ziemlich gut darin war, da er das auch im College schon gemacht hat.

Kölnticket: Aber es ist schön zu sehen, wie du deine Familie mit der Musik kombinierst.

Adam Lazarra: Ja, ich fühle mich aber schlecht. Als wir die CD zugeschickt bekommen haben, habe ich sie meinem älteren Sohn gezeigt und er hat gefragt, ob ich noch ein extra Cover für ihn gemacht habe. Er war etwas eifersüchtig auf seinen Bruder, da er auf dem Cover ist. Das tat mir wirklich leid, aber dann ist wohl das nächste Albumcover für ihn reserviert.

Kölnticket: Bist du eine andere Person auf der Bühne?

Adam Lazarra: Ja, wirklich. Manche Leute gehen zum Doktor, um über Sachen zu reden, die sie verarbeiten müssen und wir haben die Bühne dafür. Es fühlt sich sehr gut an, das rauszulassen. Auf der Bühne kann man einfach loslassen und hoffen, dass man sich nicht zu sehr gehen lässt und sich dabei blamiert.

Kölnticket: Als ich das Album das erste Mal gehört habe, hatte ich das Gefühl, dass du viel bereust in deinem Leben, aber mit jeder Erfahrung stärker geworden bist. Liege ich da richtig?

Adam Lazarra: Ich würde es nicht bereuen nennen. Ich glaube viele Leute schauen sich ihr jüngeres Ich an und fragen sich, wieso sie dies oder das getan oder nicht getan haben. Aber ohne das alles, wäre man nie die Person geworden, die man jetzt ist. Also ist bereuen vielleicht das falsche Wort, aber ja: Ich habe viel gelernt!

Kölnticket: Ich hatte nur so ein Gefühl, dass die ersten sieben Songs vom Text her eher traurig sind, im Sinne von „das hätte ich anders machen können“ – und dann starten die fröhlichen Songs.

Adam Lazarra: Ja, ich sehe was du meinst. Das ist witzig, so habe ich es noch nie betrachtet, aber du hast vollkommen recht. Vielen Dank, ich werde bei zukünftigen Interviews jetzt sagen, dass wir das extra gemacht haben.

Kölnticket: Ich finde deine Stimme passt jetzt auch besser zur Musik.

Adam Lazarra: Ja, das stimmt, ich musste erst in meine Stimme „reinwachsen“. Am Anfang habe ich einfach irgendwie gesungen und gehofft, dass es sich gut anhört. Mittlerweile weiß ich ungefähr, was ich kann und wie die Stimme zur Musik passt.

Kölnticket: Die Outtakes des Albums (Hidden Track) sind übrigens sehr witzig.

Adam Lazarra: Oh danke, das finde ich auch. Viele unserer Lieblingsfilme haben Outtakes und wir wollten das auch machen. Das lockert die Stimmung am Ende außerdem ganz gut auf.

Kölnticket: Entstehen die besten Songs aus den schlimmsten Gefühlen?

Adam Lazarra: Nicht unbedingt, aber für mich funktioniert das sehr gut. Wenn man sich hingegen Songs der Beatles anhört – die sind ziemlich fröhlich und wunderbar zugleich. Also hängt es immer vom Künstler ab und wie man Dinge verarbeitet.


Das Interview führte Christina Berkele.