Die beglückende Verbindung von Sprache, Musik und Haltung. Ein eindrucksvoller Dialog zwischen Literatur und Klang, Ernst und Heiterkeit, Zeitkritik und zeitloser Kunst, politischer Schönheit.
Erich Kästner ist den meisten als Verfasser von Kinderbüchern in Erinnerung geblieben. Doch seine Bücher waren die ersten, die auf den Scheiterhaufen der Nationalsozialisten demonstrativ auf den Straßen des aufblühenden Nazi-Deutschland in Flammen aufgingen.
Martin Hannemann wagt den Blick auf den „anderen Kästner“, den politisch wachen, sarkastischen, illusionslosen Chronisten der Zwischenkriegszeit. Natürlich ist er dabei auch lustig und durchaus amüsant; Kästner bleibt immer Humanist, die Liebe zum Menschen trotzt aller Verzweiflung. Die musikalische Konzeption macht es zu einem besonderen Ereignis mit dem Jazztrio. Die Musiker treten in einen subtilen Dialog mit den Texten ein, suchen nach Klangfarben, die Atmosphären spiegeln und emotionale Räume erweitern.
Für jede Textpassage findet sich ein passender Tonfall: ein perlendes Laufwerk zu einem süffisanten Kästner-Vers, eine dissonante Fläche als Widerhall zu kritischen Zeilen, ein swingender Groove bei humorvollen Passagen. Kästners Texte werden hier nicht illustriert, sondern durch musikalische Improvisation auch in neue Kontexte gestellt.
Die Musik schafft nicht nur Atmosphäre, sondern öffnet Interpretationsräume, lässt Kästners Worte in einem anderen, auch zeitgemäßen Licht erscheinen, manchmal auch mit anderer Schärfe.