2007 bekommt Karin Dreijer ihr zweites Kind – nur Wochen nach der Geburt erwacht ihre Kunstfigur Fever Ray in ihrem Studio südlich von Stockholm zum Leben. Geleitet von finsteren Gedanken nach der Geburt, beschäftigt sie sich in ihrer Musik mit menschlichen Angstzuständen und den Naturgewalten. Im Frühjahr 2009 erscheint das erste Album „Fever Ray": Düstere, fast gespenstische Melodien aus Software-Synthesizern und Drumcomputern erzeugen ein Gefühl von Unwohlsein. Ihre Texte greifen genau diese Unbehaglichkeit auf und sprechen so Betroffenen aus der Seele.
Das Album kam gut an – Spiegel Online bezeichnete es als eine der „wichtigsten CDs des Jahres". Danach war es lange still um die Künstlerin. Karin Dreijer findet zu sich selbst: Sie ließ sich scheiden, identifizierte sich als queer und genderfluid. 2017 veröffentlichte sie überraschend ihr zweites Album „Plunge". Genauso polarisierend – aber weniger geheimnisvoll – erzählt die Musik von einvernehmlichen sexuellen Gewaltfantasien, Rassismus und dem Leben als Randgruppe. Sechs Jahre später erschien „Radical Romantics". Das Album befasste sich mit der Liebe und den mythischen Vorstellungen, die mit ihr verwoben sind.
Bevor Dreijer zu Fever Ray wurde, spielte sie bereits mit ihrem Zwillingsbruder Olof Dreijer in dem schwedischen Avantgarde-Pop-Duo The Knife. Getrieben von dem Gedanken, die Musik in den Vordergrund zu stellen, zeigten sich die beiden Künstler im Laufe ihrer Karriere beinahe ausschließlich mit Rabenmasken. Diese Herangehensweise behielt Karin Dreijer in ihrer Rolle als Fever Ray bei und zeigt dies ganz deutlich auf ihren Albumcovern: Mal zeigt sie sich als Bote des Untergangs, dann zerrinnt sie wie eine lebende Wachsfigur. Ihr drittes Album etwa zierte ein genderfluides glatzköpfiges Alien.
Ihre Bühnenshows spiegeln das Ungewöhnliche ihrer Musik wider: In bizarren Outfits und mit extravagantem Make-up performt Fever Ray inmitten von bunten Neonlichtern. Die gedimmte Lichtshow untermauert den mysteriösen Charakter der Musik und schafft so ein einzigartiges Erlebnis für alle Zuschauer*innen.